18.06.26
Ein Fest für Leser und Hörer
Dummheit ist nicht «wenig wissen»,
auch
nicht «wenig wissen wollen»,
Dummheit ist «glauben, genug zu
wissen».
[Konfuzius]
Buch 1) Henning Beck: 12 Gesetze der Dummheit
Aus dem Buch las
Olaf Markert am Freitag, dem 11.6.2026 ab
16 Uhr im Büro Die Linke in der Neugasse. Der Raum war überraschend
voll. Meißner und Auswärtige waren neugierig, was da passieren
wird. Noch gab es Stühle und in den Fensternischen weiche Kissen.
Aller Anfang ist schwer − besonders bei der Auseinandersetzung
mit diesem alltäglichen Thema. Dabei ist die Sache selbst viel
ernster, als die meisten Menschen glauben. Schon vor zweieinhalb
tausend Jahren gab Konfuzius uns die obige Definition.
Und der Antifaschist Dietrich Bonhoeffer setzte sich noch im
Angesicht des Todes mit der furchtbaren Wirkung von Dummheit
auseinander. Im Konzentrationslager schrieb er 1943: "Dummheit
ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse
lässt sich protestieren, es lässt sich bloßstellen, es lässt sich
notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der
Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im
Menschen zurücklässt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos."
Olaf Markert las einen weniger aggressiven Text über die
Dummheit, die im Kostüm der Routine, des Gewohnten und des scheinbar
Vernünftigen daherkommt. Dummheit die (fast) keinen aufregt. Die uns
in Ruhe lässt wie die Romantik und der Philosoph Kant mit seinem
Bild vom deutschen Wald.
"Ich bin nicht gerne dumm." − schloss er seine Lesung.
Buch 2) Katrin Markert: Mensch, aussortiert
Die Autorin selbst las aus ihrem eigenen Buch und hatte sofort die
Aufmerksamkeit der Meißner − schon durch das Lokalkolorit
dieser Geschichte vom Herrn Unruh und seinem Hund. Vom Bahnhof Meißen
über die kleine Wohnung bis zur Einäscherung. Und man spürte, dass
diese Geschichte einen Teil eigenen Lebens abbildet.
„Die Wahrheit ist konkret.“ − sagt Bertolt Brecht. Und
Katrin Markert zeigte in ihrem Text, wie man als Mensch den Artikel 1
des Grundgesetzes konkret verteidigt und verwirklicht, wo Behörden versagen:
Die Menschenwürde, unverletzlich und doch so oft verletzt in
Einzelschicksalen.
Der Raum war noch voller geworden und einzelne Gäste mussten
bereits stehen. Zum Abschluss wurde das Buch auch gekauft. Schönster
Leser-Dank für Autoren.
Buch 3) Tara-Louise Witwer: Dramaqueen
Mit diesem Buch machte
Jessica
Hamann auf die offensichtliche und unterschwellige
Abwertung von Weiblichkeit aufmerksam. Wenn sie nicht so furchtbar
eilig gelesen hätte, dann wäre sicherlich auch noch ein kleiner
Verweis auf die Meißenerin Louise Otto-Peters, Autorin und
Herausgeberin der ersten deutschen Frauenzeitung, möglich gewesen.
Denn Meißen ist ein gutes Pflaster für demokratische Literaturen,
gerade weibliche! Man muss es nur sehen wollen.
Der Leseort) Altstadtcharme und kulturelle Verantwortung
Maria Fagerlund und Daniel Bahrmann ist es zu danken, dass hier
schon das 17.Literaturfest stattfand.
Und Die Linke hat sich mit ihrer Geschäftsstelle so richtig
„reingehängt“. Mit Vielfalt aber auch Tiefgründigkeit. Weiter
so!
Meißen ist bunt.